Pressbrokat

Preßbrokat ist eine Verzierungstechnik bei der Brokatstoff (schweres Seidenzeug, durchwebt mit Gold- Silberfäden) imitiert werden. Die Verwendung von Preßbrokat kann auf den Zeitraum zwischen 1440 – 1530 eingegrenzt werden.

 

Vor allem im 15. Jahrhundert werden die Imitationen zu prachtvollen plastischen Verzierungen an Tafelgemälden und Skulpturen.

Italien & Spanien sind die Zentren der spätmittelalterlichen Seidenindustrie: Lucca, Florenz, Mailand, Bologna und Genua beliefern über den Hauptumschlaghafen Brügge, Mittel- und Nordeuropa mit Brokatstoffen.

Da es in den Niederlanden die größte Auswahl an Stoffen gab, liegt es nahe das die Imitation dort zuerst auftrat.

 

Bei der Technik des Preßbrokats wird eine Zinnfolie durch pressen mit einem gravierten Model geprägt. Die Folie wird rückseitig mit einer Stabilisierungsmasse bestrichen und dann auf den gewünschten Untergrund gebracht. Nach dem Trocknen der Stabilisierungsmasse wird vergoldet.

Da mit dem Model immer wieder dasselbe Muster geprägt werden kann, ergibt sich ein Rapport. Den Preßbrokat kann man an den sich ergebenden Kanten bzw. Stößen gut erkennen.

 

 

Preßbrokat Technik - Durchführung

Motiv

 

Ein typisches Grantapfelmuster ca. 1466.

Vorlage vom Hochaltar von Friedrich Herlin, St. Jakob zu Rothenburg o. T.

 

Das Motiv wird mit Kohlepapier auf den Model aus Lindenholz übertragen. In diesem Fall wurde für das Model Längsholz verwendet, da nur wenige Zinnfolien geprägt werden sollten. Wenn das Model für eine längere Benutzung vorgesehen ist, kann es auch aus Hirnholz gefertigt werden, da es dann haltbarer ist.

 

 

Gravieren

 

Vor dem gravieren ist es empfehlenswert die Gravur Richtung einzuzeichnen. Dabei können die verschiedenen Richtungen als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Bei der späteren Vergoldung werden die verschiedenen Gravuren unterschiedliche Reflexionen erzeugen.

 

Beim Gravieren mit einem schmalen Schnitzeisen muss auf die verschiedenen Holzrichtungen geachtet werden, um ein Ausbrechen der schmalen Stege zu vermeiden. Bei verschiedenen Beispielen historischer Preßbrokate werden zwischen 9 – 17 Rillen pro Zentimeter graviert.

 

Prägen

 

Die Zinnfolie wird genau auf das Maß des Models zugeschnitten, dies ist wichtig da sonst beim Pressen unschöne Überstände entstehen.

 

Beim Pressen wird das Model mit der Zinnfolie belegt und darüber eine weiche Zwischenlage aus Filz. Als Zulage muss eine sehr dicke und stabile Mehrschichtplatte oder ähnliches verwendet werden, da diese beim Pressen mit dem weichen Filz sehr schnell nachgibt.

 

Zum Pressen wurde eine Spindelpresse eingesetzt. Um ein optimales Prägeergebnis zu erzielen, muss beim Pressen viel Kraft aufgewendet werden. Sollte sich dennoch nicht das gesamte Muster durchgedrückt haben, kann dies mit einem einfachen Filz und Hammerschlägen auf den selbigen korrigiert werden. Dies ist auch die historisch verwendete Technik um das Muster in die Zinnfolie zu prägen, heute ist aber sicher die Spindelpresse vorzuziehen.

 

 

 

Applizieren

 

Nachdem die Zinnfolie vollständig geprägt wurde, sollte auf die obere Seite der Zinnfolie eine Stabilisierungsmasse aus pastösem Kreidegrund aufgetragen werden. Der Kreidegrund muss eine Weile anziehen und kann dann auf den Untergrund (ebenfalls mit Kreidegrund als Klebemittel) aufgebracht werden.

 

 

Vergolden

 

Die Vergoldung sollte nach dem Trocknen des Kreidegrundes erfolgen. Als Bindemittel wurde für die Vergoldung Gelatine verwendet. Nachdem das Bindemittel getrocknet ist, kann die Vergoldung mit Watte poliert werden.

 

 

 

Quellen

 

Die plastische Imitation von Brokatstoffen in der Fassmalerei, Christiane Schricker (2002)

 

Brigitte Hecht, Betrachtungen über Pressbrokate in: Maltechnik Restauro, 1980/1, S. 22-49

 

Kunsttechnologische des Göttinger Barfüsserretabels von 1424 im Kontext zeitgenössischer norddeutscher Altarwerke, Babette Hartwieg, Dissertation Hochschule Bildende Künste Dresden 2010

 

Die Darstellung textiler Schmucktechniken durch Bildhauer und Fassmaler an ausgewählten Skulpturen von Franz Ignaz Günther und seinem Umkreis, Cornelia Plott, Diplomarbeit 2002, Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft Technische Universität München

 

Margareta Hauser und Jakob Thalmayr, Pressbrokat Reproduktion einer plastischen Verziertechnik des Mittelalters in: Restauro 2013/2, S. 18 - 22

 
 

Katja Brand

Holzbildhauerin / Restauratorin

- Bachelor of Arts - Konservierung/Restaurierung

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Katja Brand